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Ein gesondertes Kapitel über Frauen in der resistenza zu
schreiben, soll nicht heißen, nachträglich der Geschichte
von dem allgemeinen, also angeblich männlichem Widerstand
einen Abschnitt über das Andere, über die Frauen hinzuzufügen.
Mit diesem gesonderten Kapitel soll vielmehr den historischen
Gegebenheiten, unter denen Frauen Widerstand leisteten, Rechnung
getragen werden. Eine bloße Bezeichnung widerständiger
Frauen und Männer als PartisanInnen, ohne Nennung der besonderen
Umstände, unter denen Frauen leben und agieren mussten, würde
Frauen abermals unsichtbar machen und den Mann als die Norm setzen.
Zur Verdeutlichung sei das Beispiel von dem Marsch der kommunistischen
Partisanenverbände durch die Straßen Turins nach der
Befreiung angeführt: Hierbei war es den Partisaninnen verboten,
mitzulaufen. In Mailand
band man ihnen während des öffentlichen Zugs durch die
Straßen schlichtweg das Band der Krankenschwestern um den
Arm.
Partisanin ist also nicht gleich
Partisan gewesen. Die heute wohl frauenfreundlich gemeinte Bezeichnung
der resistenza als PartisanInnenbewegung wird den geschichtlichen
Tatsachen somit keineswegs gerecht, sondern verschleiert eher
die Geschichte von Frauen.
Offizielle Zahlen
Laut den offiziellen Zahlen
waren 70.000 Italienerinnen in den Frauenverteidigungsgruppen
Gdd (s.u.) organisiert. 35.000 (von 232.841 KämpferInnen
insgesamt) kämpften als Partisaninnen, 4.600 wurden gefangen
genommen, gefoltert und verurteilt, 2.750 nach Deutschland deportiert,
623 sind erschossen worden oder im Kampf gefallen. In offiziellen
Funktionen, als Kommissarinnen und Kommandantinnen, waren 512
Frauen eingesetzt; 16 erhielten nach Kriegsende eine Medaille
aus Gold, 17 eine Medaille aus Silber zur Ehrung.
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"Wie konnte es geschehen,
dass man dieses Heer nach dem Krieg vergaß?"
(Rossana Rossanda) oder: Der "Beitrag der Frau"
Um die Aktionen der Partisaninnen
darzustellen, werden oft zwei Begriffe verwendet: der des Beitrags
und der der Teilnahme. Beitragen oder Teilnehmen sind nicht gleichbedeutend
mit Handeln oder Teil des Ganzen sein, im Gegenteil, dies drückt
vielmehr aus, dass die Partisaninnen eben nicht grundsätzlich
dazugehörten, sondern nur zeitweise dabei waren, sie sind
Beiwerk. Und nicht
nur das: Je nachdem, wer es war, der etwas ausführte, war
eine Handlung wertvoll oder lediglich unterstützend. Wenn
eine Frau für Partisanen kochte, die Verwundeten pflegte
oder das Kommen der Deutschen signalisierte, dann heißt
es, dass sie half. Der Mann in einer offiziellen Formation, der
dieselben Arbeiten übernahm, hieß Koch, Krankenpfleger,
Informant und der war Partisan.
Dennoch wird in keiner Darstellung
über den bewaffneten Kampf, der als gleichbedeutend mit der
resistenza per se dargestellt wird, die Nennung dieser Unterstützung
fehlen und der Hinweis, dass ohne sie der Widerstand nicht möglich
gewesen wäre.
Aber vielleicht war es ja tatsächlich
so, dass die Frauen nur beigetragen und sich beteiligt haben,
dass sie nichts von sich aus
initiiert haben?
Doch die Beurteilung dessen hängt
in erster Linie davon ab, wie man resistenza definiert.
Wie
wird resistenza definiert?
In der Regel versteht man
darunter ausschließlich den Kampf mit der Waffe - eine Sichtweise,
die weniger revolutionär ist, sondern vielmehr dem in der
Französischen Revolution geborenen bürgerlichen Selbstverständnis
verhaftet bleibt, nach dem der Vollbürger nur derjenige ist,
der den Dienst an der Waffe ausübt und somit nur der Mann
sein kann. Es ist das alte Bild der Moderne, das die Frau zur
Bürgerin zweiter Klasse degradiert.
Im übrigen tragen auch andere
Momente dazu bei, die Frauen von dem Kampf mit der Waffe auszuschließen:
Das Heldentum des Mannes wird durch die Präsenz von Frauen
in den kämpfenden Partisanentruppen geschmälert, weil
das bewundernde Gegenüber fehlt.
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Wer
wurde offiziell als PartisanIn anerkannt?
Nach einem Dekret vom 21.
August 1945 ist derjenige Partisan, der mindestens drei Monate
lang in einem offiziell anerkannten Partisanenverband Waffen getragen
hat und der an mindestens drei Kampf- oder Sabotageaktionen teilgenommen
hat. Wer im Gefängnis oder in einem Konzentrationslager war,
erhält den Titel nur, wenn er dort mindestens drei Monate
gefangen war. Wer außerhalb der Partisanenverbände
wesentliche und relevante Unterstützung geleistet hat, erhält
in einigen Regionen Italiens den Titel benemerito, in etwa "der/
die sich verdient gemacht hat".
Dass dies natürlich eine
sehr begrenzte Definition von Widerstand ist, liegt auf der Hand.
Die Widerstandsformen vieler Personen/ Gruppen werden dadurch
unsichtbar gemacht, in erster Linie die von Frauen.
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Kämpfende
Partisaninnen
Natürlich aber hat
es auch waffentragende und kämpfende Partisaninnen gegeben:
Die Frauen haben geschossen, Bomben geworfen, feindliche LKWs
in die Luft gejagt, Anschläge geplant und durchgeführt.
So hatte die Kommunistin Anna Cherchi gelernt, mit Waffen
umzugehen und schließlich, als die Gefahr einer Gefangennahme
zunahm, lernte sie trotz anfänglichem Widerwillen das Schießen
so gut, dass sie darüber auch Stolz empfand. Elsa Oliva,
22jährig, jagte in völliger Gelassenheit einen deutschen
Wagen mit Sendestation und den darin sitzenden Soldaten in die
Luft. Laut eigenen Aussagen trug sie die Waffen nicht aus Angeberei,
sondern um damit zu zielen und zu schießen. Auch die kommunistische
Partisanin aus Parma Laura Polizzi,
Deckname "Mirka", bestand darauf, Waffen zu tragen:
"Und so kam es, dass ich gelernt habe, eine Beretta zu zerlegen
und wieder zusammen zu bauen, und wie ich das gelernt habe ...
Den ersten Revolver, den ich je gesehen habe, hatte mein Onkel
Gigi in den Händen und ich habe ihn halten dürfen, Gigi
hat mich dazu sogar aufgefordert (...)". Doch als sie sich
schließlich einer Partisanenformation in den Bergen anschließt,
muss sie zusehen, wie die männlichen Genossen nach und nach
in den bewaffneten Kampf ziehen dürfen, was ihr verwehrt
bleibt: "Nachdem ich mich lange Zeit abgemüht habe und
immer wieder nachfragte, ob ich nicht endlich einer Truppenabteilung
zugeteilt werde, um eine Waffe in die Hand zu bekommen, wurden
die Genossen nach und nach alle eingezogen und zugeteilt, nur
ich blieb sitzen." Schließlich musste sie die Berge
wieder verlassen.
An bewaffneten Aktionen und Sabotageakten
nahmen vor allen Dingen die Frauen aus der
Gap teil, den patriotischen Aktionsgruppen, die von der
kommunistischen Partei gegründet worden waren. (S. den Beitrag
über Frauen in der Gap). Joyce Lussu kämpfte ebenfalls
ein Jahr bewaffnet im Widerstand, was sie schlicht mit den Worten
kommentierte: "Das ist doch keine Heldentat."
Doch offensichtlich schon: "Der Antifaschismus erreichte
jetzt die höchste Stufe: den bewaffneten Widerstand (resistenza)",
heißt es unreflektiert in zahlreichen Geschichtsbüchern,
womit der bewaffnete Widerstand abermals als die einzig glorreiche
Form der resistenza dargestellt wird.
Partisanin
in Führungsposition
Nach offiziellen Zahlen hat es
512 Kommandantinnen und Kommissarinnen in den Partisanenformationen
gegeben. Laura Polizzi aus
Parma war eine von ihnen. In die Berge zu den kämpfenden
Truppen war sie allerdings nur durch einen Trick gekommen. Entsetzt,
dass ein Genosse von der kommunistischen Partei in die Berge geschickt
wird und sie nicht ("Ja wie? Du ja und ich nicht? Madonna!")
lässt sie sich von ihm das benötigte Passwort für
die Aufnahme in die Partisanenformation geben und geht heimlich
hoch in die Berge. Doch der Kampf mit den Waffen wird ihr untersagt.
Statt mit militärischen Aufgaben wird sie dort mit politischen
betraut. Sie wird Stellvertretende Generalkommissarin der kommunistischen
Brigade Garibaldi in der Region Reggio Emilia.
Stellvertretende Kommissarin wurde
auch Celeste "Cele" Magnone, in der Partisanengruppe
"Sandro Magnone". Dort wurde auch Vittoria Rocca Offizierin
für den Informationsdienst. Irene Usseglio, gefallen während
der Durchkämmungsaktion der Deutschen im November `44 war
Offizierin des Informationsdienstes in der Brigade "Campana".
Mit in den Bergen lebten diese Frauen meist nicht. In den Gruppen
im Turiner Bergland gab es beispielsweise nur eine einzige Formation,
die "Carlo Carli" der Garibaldini, in der Frauen offiziell
und regulär mit einbezogen waren und das Leben der Männer
teilten.
Es ist besonders das
Verdienst der Historikerin Anna Bravo, mit ihren Untersuchungen
nachgewiesen zu haben, dass und wie italienische Frauen Widerstand
gegen deutsche Besatzung und Faschismus leisteten. Sie beschreibt
sehr pointiert, wie heutzutage der Widerstand in Europa gegen
den Nazifaschismus insgesamt mehr daran gemessen wird, wieviele
im Widerstandskampf gefallen sind, anstatt daran, wie viele dank
des Widerstands überleben konnten.
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Ein
ambivalentes Verhältnis: Frauen und Waffen
Denn letztendlich blieben
Waffen in den Kämpfen von Frauen irrelevant. Im Gegenteil,
meist versuchten sie, diese so schnell wie möglich wieder
los zu werden. Wenn man die gesellschaftliche Beurteilung von
kämpfenden Partisaninnen betrachtet, braucht diese Abneigung
nicht weiter zu verwundern: Die Partisanin mit Waffe wurde misstrauisch
beobachtet, der Waffengebrauch wurde letztendlich nur einigen
wenigen Ausnahmen gestattet. Die beste Partisanin war die, die
die Bewegung „mütterlich“ unterstützte, die wusch, bügelte,
nähte.
Nach Kriegsende wurden kämpfende
Partisaninnen auch von ihren Geschlechtsgenossinnen eher argwöhnisch
beäugt. Ein bisschen waren sie die Deserteurinnen des Hauses:
Hatten sie denn nichts anderes zu tun gehabt? Das bereits angesprochene
Verbot, die Frauen bei den Märschen nach der Befreiung mitlaufen
zu lassen, zielte darauf ab, die Frauen nicht als „Nutten"
beschimpfen zu lassen - denn was war "eine Frau, die auf
die Straße geht“ anderes? Das öffentliche Auftreten
von Frauen und ihre politische Orientierung wurden in jedem Fall
an ihrer moralischen Integrität gemessen und beurteilt, was
umgekehrt bei Männern nicht getan wurde. Die politischen
Maßstäbe waren mit der resistenza und der Befreiung
zwar verändert und erneuert worden, doch blieb die Sexualmoral
alten Traditionen verhaftet.
Es war eine immer intendierte, manchmal offen ausgesprochene
Gleichsetzung der politischen Haltung mit der sexuellen Verfügbarkeit
und umgekehrt, die den Frauen unterstellt wurde. So äußerten
die BewohnerInnen einer kleinen Ortschaft, als der (natürliche)
Tod einer ehemaligen Partisanin bekannt gegeben wurde: "Da
hätte man ja gleich Ex-Nutte schreiben können."
Man bezog sich dabei auf das Wortspiel zwischen Partigiana und
Puttana (=Nutte).
Wen wundert es folglich, wenn
viele kämpfende Partisaninnen nach der Befreiung nicht um
eine offizielle Anerkennung ihres Widerstandskampfes nachgesucht
haben?
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Resistenza
civile
Um den Widerstandsformen
von Frauen gerecht zu werden, muss folglich eine andere Messlatte
an die Geschichte angelegt werden. Es war meist unbewaffneter
Widerstand, den sie leisteten, und zwar überwiegend unabhängig
von einer Partei oder einer Organisation, er war nicht auf Dauer
angelegt und nicht untereinander verbunden. Um die Aktionsformen
und die eher lose, unkoordinierte, individuelle Gegenwehr sichtbar
zu machen, hat Anna Bravo bezugnehmend auf den französischen
Soziologen und Psychologen Jacques Sèmelin den Begriff
der resistenza civile, des zivilen Widerstands, in die Geschichtsschreibung
über die resistenza eingeführt. Eine solche resistenza
civile war nach Sèmelin die Antwort der zivilen Gesellschaften
auf die beanspruchte Vorherrschaft und die Ausbeutung menschlicher
und materieller Ressourcen durch den Nationalsozialismus in ganz
Europa. Diese resistenza civile habe sich zwar auch als Unterstützung
des bewaffneten Widerstands verstanden, doch keineswegs ausschließlich.
Der Begriff der resistenza civile soll vielmehr in erster Linie
die autonomen Zielsetzungen des Widerstands hervorheben, unabhängig
vom bewaffneten Kampf.
Es
ist damit der Schutz Verfolgter gemeint, der Versuch, bestimmte
Einrichtungen und soziale Zusammenhänge frei von nationalsozialistischen
und faschistischen Einflüssen zu halten, grundsätzlich
die Verteidigung der Lebensumstände und der sozialen Bindungen.
Es ist auch ein ökonomisch-politischer Kampf gegen die Besatzer.
Die Mittel zur Erreichung dieser Ziele waren nicht Waffen, sondern
ein moralischer Mut, Verstellung und Vortäuschung, Anpassungsfähigkeit
an und Einfühlungsvermögen in die jeweilige Notsituation,
die Fähigkeit, Beziehungen zu manipulieren und zu täuschen
zum Schaden des Gegners.
Es sei dennoch klargestellt: Es gab nirgends eine geschlossene
Bevölkerung, die gegen den Nazifaschismus zivilen Widerstand
geleistet hätte, es ist dies keine zu verallgemeinernde Verhaltensweise.
Zivilen Widerstand leistete nur eine Minderheit, so wie nur eine
Minderheit zu den Waffen griff.
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Frauen
leisten Widerstand!
Unter dieser Prämisse
lassen sich schließlich zahlreiche Widerstandsformen, die
von Frauen ausgeübt wurden, dingfest machen, die nicht unmittelbar
dazu dienten, den bewaffneten Kampf zu unterstützen.
Sie haben gegen den Krieg gestreikt, die Kriegsproduktion
sabotiert, zivilen Ungehorsam geleistet, sie haben Verfolgten,
JüdInnen, PartisanInnen, Militanten, die im Geheimen operierten
und ausländischen Kriegsgefangenen Hilfe geleistet und sie
geschützt, obwohl auf die
Fluchthilfe für letztere die Todesstrafe stand. Sie
haben Soldaten vor der Deportation und Zwangsarbeit in Deutschland
bewahrt. Sie haben Initiativen ergriffen, um ein Minimum an etwas
Lebenswertem aufrecht zu erhalten, sie haben versucht, die Ausbeutung
von Rohstoffen und anderen Ressourcen zu verhindern, sie erhielten
Materialien, Betriebe und Einrichtungen für das Leben nach
dem Krieg. Es waren größtenteils Arbeiterinnen und
Bäuerinnen, die dem kommunistischen Widerstand nahestanden,
und somit dürfte auch für sie gelten, was Cesare Pavone
als Klassenkampf innerhalb der resistenza bezeichnete. Doch gab
es auch bürgerliche Frauen, die im katholischen Widerstand
tätig und organisiert waren und sogar vereinzelt Frauen aus
dem Adel.
Welches
sind die eigentlich Freiwilligen?
Wenn
der Widerstand der Italienerinnen behandelt wird, sollte eines
im Blickfeld bleiben: Die eigentlich Freiwilligen der resistenza
waren die Frauen, obwohl sich der fast ausschließlich männliche
militärische Arm des Cln, des Nationalen Befreiungskomitees,
"Freiwilligenkorps für die Freiheit" nannte. Doch
die Männer mussten sich nach dem Waffenstillstand vom 8.
September 1943, nach dem Hitlerdeutschland gut 4/5 Italiens besetzte,
verstecken und schließlich in den Widerstand gehen, um nicht
deportiert zu werden. Den Frauen drohten nicht derlei Zwangsmaßnahmen.
Wenn sie sich folglich für den Widerstand entschieden, waren
sie nicht dazu gezwungen, sondern es war eine freie Entscheidung.
Carla Badiali aus der Partisanenbrigade "Gerechtigkeit
und Freiheit" (Giustizia e Libertá) hatte die Aufgabe,
Dokumente zu fälschen,
sie war Malerin von Beruf. Als sich ihr Ehemann beschwerte, weil
sie für einen bestimmten Stempel längere Zeit benötigte,
antwortete sie: "Ich mache das alles nicht wie du und alle
deine Freunde, weil ihr dazu genötigt seid, sondern weil
ich es mir ausgesucht habe, zu tun. Du hattest keine Wahl, ich
ja."
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Die
Streiks als Beginn des Widerstands
Die
Streiks in den Fabriken vom März 1943 waren eine Methode
des Widerstands und leiteten die resistenza gegen den Faschismus
ein. Doch auch hierbei wurden Frauen häufig unsichtbar gemacht,
indem lediglich von "Arbeitern" die Rede ist. Nur wenn
sie wirklich nicht mehr zu übersehen waren, tauchten Arbeiterinnen
auf. So musste das Militärtribunal von Turin gegen die "Arbeiter"
feststellen, dass unter den 21 bei den Streiks Gefangengenommenen
immerhin 11 und unter den 10 Verurteilten sogar 8 Frauen waren.
Diese Streiks waren ein deutlliches Zeichen für das
Ende des Faschismus, der Streiks verboten hatte. Ines Barone,
Lehrerin in Giaveno erzählt: "Man hat die Dinge erfahren
weil auch hier bei uns gestreikt wurde (...). Auf jeden Fall hatten
noch viele Angst, die Initiative zu ergreifen, (...) aber es war
völlig klar, dass man so etwas noch nie gesehen hatte und
dass es ein deutliches Zeichen dafür war, dass die Dinge
sich änderten."
Die Dinge veränderten sich
schließlich tatsächlich ziemlich schnell mit der Absetzung
Mussolinis am 25. Juli 1943 und der Unterzeichnung des Waffenstillstands
am 8. September desselben Jahres.
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Die größte
Verkleidungsaktion der Geschichte:
Der Waffenstillstand und die Auflösung der italienischen
Armee
Als am 8. September 1943 von der
italienischen Regierung das Waffenstillstandsabkommen mit den
anglo-amerikanischen Alliierten unterzeichnet wurde, machte sich
Orientierungslosigkeit unter den italienischen Streikräften
breit. Militärische Befehle blieben aus und viele Soldaten,
kriegsmüde, fassten diese Situation als eine Aufforderung
auf, nach Hause zu gehen. Doch die Situation eskalierte zur großen
Krise. Italien wurde innerhalb von wenigen Tagen von Nazideutschland
besetzt. Flüchtende italienische Soldaten, die als solche
zu erkennen waren, wurden von deutschen Truppen gefangengenommen
und in deutsche Militärinternierungslager verschleppt. Insgesamt
waren es 730.000 italienische Soldaten, von denen über 16.000
nicht überlebten.
Um
der Gefangennahme zu entgehen, brauchten die Soldaten zivile Kleidung,
die sie nicht besaßen. Es begann nun in den Worten von Anna
Bravo eine der "größten Verkleidungsaktionen der
italienischen Geschichte".

Um die Soldaten vor der Deportation in deutsche
Militärinternierungslager zu retten, erhalten sie in der
"größten Verkleidungsaktion der Geschichte"
von der Zivilbevölkerung, größtenteils von den
Frauen, zivile Kleidung. Hier sechs ehemalige Soldaten auf der
Flucht.
Chiara Serdi aus einer Arbeiterfamilie
berichtete über die Aktionen ihrer Mutter: "Als wir
erfahren haben, dass alle Soldaten aus den Kasernen abgehauen
waren und sie verzweifelt nach einer Möglichkeit suchten,
wieder nach hause zu kommen, weil niemand mehr Lust hatte zu kämpfen,
sie aber als Militär gekleidet nicht mit dem Zug fahren konnten
(...) da hatte meine Mutter in der Zwischenzeit schon alle möglichen
Leute um alte Kleider gebeten (...) und hat eine ganze Menge zusammen
bekommen, die alle in unserem Keller lagen. Und sowas spricht
sich schnell rum, wissen sie, und so kamen immer diese Jungs:
'Signora, schau`n Sie mich an, haben Sie nicht was zum Anziehen
für mich?' ah, und meine Mutter war furchtbar, sie hatte
einen Unternehmungsgeist (...) und so brachte sie sie in den Keller,
kleidete sie an, brachte sie zum Bahnhof, küsste sie (...),
setzte sie auf die Viehwagons (...). Auch ihre Uniformen haben
sie bei uns gelassen, meine Mutter hat sie dann nachts im Hof
verbrannt. (...) Ja, es war wirklich eine richtige Verteilerstelle
geworden, mittlerweile wussten es alle (...)."
Tausende von Soldaten wurden auf
diese Art und Weise neu eingekleidet, versteckt, ernährt,
versorgt und wieder auf den Weg zu ihrem Heimatort
gebracht. Letztendlich war dies die Grundlage für
den später bewaffneten Widerstand, indem die Männer
vor der Deportation gerettet wurden. Bravo bezeichnet dieses Vorgehen
auch als "Massen-maternage", als eine spezifisch weibliche
Form der resistenza. Sie erklärt weiter, dass lediglich deshalb
so viele Widerstandsformen von Frauen mit dem Topos der Mütterlichkeit
erklärt werden können, weil dies die einzige Form ist,
bei der den Frauen offiziell zugestanden wird, dass sie stärker
als Männer sind.
Diese breite Solidarität
fand völlig unabhängig von irgendwelchen Strukturen
und politischen Richtlinien statt. Diese breite Solidarität
und Unterstützung als bloße pietas der Frauen darzustellen,
wie es oftmals geschieht, ist als Erklärung für ihren
Einsatz jedoch völlig unzureichend. Derart zu handeln bedeutete,
die Legalität des faschistischen Regimes grundlegend in Frage
gestellt und abgelehnt zu haben. Von daher muss dieses Vorgehen
durchaus als ein politisches bewertet werden. Sehr deutlich wird
dies auch bei einem Vergleich mit denjenigen Frauen, die sich
freiwillig zum selben Zeitpunkt den faschistischen Streitkräften
der Republik von Saló (RSI) zur Verfügung stellten.
Es sind dies die sogenannten ausiliarie, die faschistischen "Helferinnen".
Eine Entscheidung am 8. September 1943 konnte also auch ganz anders
ausfallen.
Doch
die Erinnerung an diese Taten in der Geschichte bleibt rudimentär.
Wenn es nicht Frauen gäbe, die an diese Aktionen erinnerten
und in Form von "oral history" berichteten, wüssten
wir kaum mehr etwas davon. Während das Cln, das Nationale
Befreiungskomitee, über schriftliche Möglichkeiten verfügte,
wurden solche Taten nicht schriftlich fixiert. Es wurde im Gegenteil
jede Spur daran beseitigt, indem die Frauen die Kleidung der Soldaten
im Hof verbrannten. Der kämpfende Partisan weiß, dass
er Geschichte macht, er leistet Widerstand. Frauen meinen meist,
sie täten nur etwas für den Widerstand.
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Die
"Frauenverteidigungsgruppen" (Gdd)
Tatsächlich waren die
Aktionen vom September `43 nach dem Waffenstillstandsabkommen
nicht organisiert gewesen. Erst einige Wochen später, Ende
November desselben Jahres, kommt es zu einem nationalen Zusammenschluss
aktiver Frauen in den Gdd, den "Frauengruppen zur nationalen
Verteidigung", die bezeichnenderweise den Beititel trugen:
"Zur Unterstützung der Freiheitskämpfer".
Warum wurden diese Gruppen "zur Unterstützung"
genannt? Warum nannten sich die Frauen selbst nicht auch "Freiwillige
der Freiheit"? Schon zu Kriegszeiten haben sich einige diese
Fragen gestellt. Was die unterstützende und helfende Funktion
der Gdd anbelangt, unterschieden sie sich auf den ersten Blick
wohl kaum von den faschistischen ausiliarie, den bereits angesprochenen
"Helferinnen". Dennoch hatten diese Frauenverteidigungsgruppen
natürlich einen ganz anderen politischen Hintergrund, eine
andere Wirkung und eine andere Zielsetzung, besonders auch was
die Emanzipierung der Frauen anbelangte. Wie es Penelope Veronesi,
eine Partisanin aus Bologna, ausdrückte: "Es war dort
das erste Mal, dass ich etwas von der Emanzipation der Frau gehört
habe."
Was waren die Aufgaben der in
den Gdd organisierten Frauen? In dem konstitutiven Aktionsprogramm
vom November 1943 wurden sie aufgerufen, unabhängig ihrer
politischen Ansichten, ihres Glaubens und ihrer sozialen Herkunft
"die besten Söhne Italiens, die mit der Waffe in der
Faust gegen den Feind ziehen," zu ermutigen und zu unterstützen.
In den Stadtvierteln, Fabriken, Büros, Schulen und Dörfern
sollten sie Frauenverteidigungsgruppen gründen, um andere
Frauen für den antifaschistischen Kampf zu gewinnen. Sie
sollten Widerstand gegen die Deutschen leisten, sie und die Faschisten
aus der Gemeinschaft ausstoßen, sie mit Verachtung strafen.
Darüberhinaus hatten die Gdd aber auch ganz praktische Aufgaben:
Hier sollten Geld, Lebensmittel und Kleidung für die nach
Deutschland Deportierten und andere Gefangene gesammelt werden.
Aufgefordert wurden die Frauen
auch, die Produktion in den Fabriken zu sabotieren, zu streiken
und zu verlangsamen, sich zu Massendemonstrationen zusammenzuschließen
und gewaltsam gegen faschistische Spione vorzugehen. Weitere Forderungen
des Programms bestanden in der Erhöhung der Lebensmittelrationen,
in Unterkünften für Ausgebombte, in der Forderung nach
Heizung, Kleidung und Schuhe und nach Lohnerhöhung. Auch
frauenspezifische Forderungen wurden in das Programm mit aufgenommen,
so forderten die Aktivistinnen das Recht auf Arbeit und gleichen
Lohn wie die Männer, ausreichenden Schwangerschaftsurlaub,
eine weiterführende Berufsausbildung, die Möglichkeit,
jedwede Anstellung annehmen zu können (im Faschismus durften
nur 10% der Büroangestellten weiblich sein), jedweden Unterricht
in den Schulen erteilen zu dürfen (im Faschismus war den
Frauen der Unterricht in den Fächern Philosophie, Geschichte,
Literatur, Latein und Griechisch verboten). Sie forderten die
Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, an den Gewerkschaften, an
den Genossenschaften und an den lokalen und nationalen Wahlen.
Oftmals übernahmen die Frauen führender Partisanen die
Aufgabe, eine Frauenbefreiungsgruppe ins Leben zu rufen und zu
leiten. Mimí Teppati arbeitete eng mit ihrem Mann zusammen,
der bei der Gründung des Nationalen Befreiungskomitees (Cln)
in Piemont beteiligt war und dort eine führende Position
für den Partito d`Azione, für die demokratische Aktionspartei,
einnahm. Sie gründete einen Gdd in Giaveno, östlich
von Turin, und stellte dort Kleidung für die Partisanen her
und strickte Pullover.
Was unter heutigen Voraussetzungen
eher kontraproduktiv erscheint, wurde von den zeitgenössischen
Frauen durchaus als lebenserhaltend für die kämpfenden
Partisanen anerkannt. Eine namentlich unbekannte kommunistische
Partisanin veröffentlichte im Oktober 1944 einen langen
Artikel in der Zeitschrift "Quelli del col Bione"
mit der Überschrift "Die Frauen können und wollen
kämpfen“ und unterzeichnete ihn mit „eine Garibaldina"
(die Garibaldini waren die Partisaneneinheiten der kommunistischen
Partei): "Mit Missfallen höre ich einige wirklich gar
nicht sympathische Äußerungen mancher Garibaldini über
die Teilnahme der Frau an dem Kampf um die Freiheit. Manche von
euch halten unsere Arbeit für nutzlos und sie erkennen nicht,
dass sie damit diejenigen beleidigen, die sich abmühen und
euch helfen, um an eurer Seite zu sein. Eine Frau könne nicht
kämpfen, könne nicht mal eine Waffe in der Hand halten!
Sind solche Äußerungen gerechtfertigt? Sind nicht viele
Dinge, die für den Kampf notwendig sind, Aufgabe der Frauen?
Viele, viele Frauen egal welcher Schicht helfen euch, indem sie
Jacken, Hosen und Mäntel für euch herstellen und für
euch wöchentlich waschen und bügeln (!). Und das ist
für viele von euch das normalste auf der Welt, oder? Meine
lieben Garibaldini, diese Dinge könnt ihr vielleicht fordern,
wenn ihr mal ein Frauchen habt, das für euch die Hausarbeit
macht. Wenn es jetzt jemand für euch tut, so nicht aus bloßer
Sympathie heraus, sondern weil die Frauen wie ihr einen patriotischen
Sinn haben, und weil sie alles ihnen Mögliche tun, um sich
nützlich zu machen und dem Volk seine Freiheit zurückzugeben.
Aber außer diesen Aufgaben, die leichter sind, gibt es auch
sehr viel schwierigere, die riskant sind, für die man Ruhe
und Können benötigt und bei denen die Frauen ihr Leben
riskieren, genauso, als wenn sie an einer Kriegsaktion teilnehmen
würden."
Genauso war es. Denn auch die
Übermittlung von Nachrichten, der Transport von Waffen und
die Geldbeschaffung für die Partisanenbewegung lagen in dem
Aufgabenbereich der Frauenbefreiungsgruppen und wurden von den
Staffetten übernommen. Mimí Teppati, Albina Lussiana,
Livia Ostostero und Nella Scaletta waren als Nachrichtenüberbringerinnen
(Staffetten) tätig:
"...wie viele Male, wie oft sind wir hoch auf den
Berg und haben Dinge gebracht: Wir waren immer unterwegs...",
berichtete Ostostero. Das
bedeutete, dass viele der Aufgaben, die das Nationale Befreiungskomitee
(Cln) innehatte, wie die Informationsweitergabe, die Aufrechterhaltung
der Verbindungen mit den anderen Cln zur Koordinierung der Guerilla
und die Versorgung der Partisanengruppen durch Geldbeschaffung,
von den Frauenverteidigungsgruppen übernommen wurden. In
den führenden Positionen des Cln saßen sie jedoch nicht.
Auch die kommunistische Partisanin Laura Polizzi war Begründerin
zahlreicher Frauenverteidigungsgruppen, so in Parma, Piacenza
und in Reggio Emilia, wo sie für die Rekrutierung der Frauen
in der Abteilung "Agitation und Propaganda" tätig
war. Der bewaffnete Widerstand von Frauen wurde von den Gdd nicht
ausgeschlossen. Zelina Rossi aus der Gdd Reggio Emilia beschrieb,
wie sie neu hinzugekommene Frauen im Gdd begrüßen wollte:
"Jede Frau muss ihre Männer in den Kampf schicken und
wenn sie den Mut hat, soll sie auch selbst daran teilnehmen."
Was darüber hinaus die täglichen
Aufgaben der in den Gdd organisierten "rivoluzionarie di
professione", der „Vollzeitrevolutionärinnen“ war, die
keiner geregelten Arbeit mehr nachgingen, lässt sich nur
aus Nebenbemerkungen erschließen. So druckte und verfielfältigte
Laura Polizzi Propagandamaterial, tippte Franca Pieroni Bortolotti
Schriften von Lenin zur Schulung der Genossen ab und fälschte
Carla Badiali Dokumente für illegale WiderstandskämpferInnen.
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Die Frauenpresse
in der resistenza
Besonders die häufige
Behandlung frauenspezifischer Themen veranlasste die Historikerin
Daniella Gagliani danach zu fragen, ob die resistenza nicht auch
ein feministischer Kampf gewesen sei. Sie führt dazu zahlreiche
Artikel der Frauenpresse der Gdd an.
So stellte das Presseorgan der Frauenverteidigungsgruppen "Noi
Donne" ("Wir Frauen") die Aufgabe der Organisation
sehr selbstbewusst dar und forderte außer der Befreiung
Italiens im Allgemeinen auch die Befreiung der Frauen im Besonderen
ein: "Die Frauen kämpfen in diesem Kampf gegen die Deutschen
und die Faschisten nicht nur für das italienische Volk, sondern
sie kämpfen auch einen Kampf in eigener Sache. Indem wir
für die Unabhängigkeit Italiens kämpfen, kämpfen
wir auch für die Freiheit von uns Frauen, (...) Es sind unsere
Frauenbefreiungsgruppen, die an der Spitze dieses Kampfes und
des Kampfes für die Frauen stehen." (Noi
Donne, Bologna, Sept. 1944).
Insgesamt war die Presse der in
die resistenza involvierten Frauen erstaunlich breit. Neben der
bereits zitierten Zeitschrift "Noi donne", die jeweils
verschiedene Ausgaben in den verschiedenen Städten hatte,
gab es "La voce delle donne" ("Die Stimmen der
Frauen") aus dem Gdd Bologna und La "Compagna"
("Die Genossin"), die Frauenzeitung der Sozialistischen
Partei. Frauen publizierten darüber hinaus auch in der "allgemeinen
Presse", so in der bereits zitierten "Quelli del col
Bione" und in der "Sentinella Partigianana", in
der die Kommunistin Ada Gobetti in der Nr. 4 vom April 1945 unter
der Überschrift: "Eine Banditin erzählt..."
schrieb: "Ich bin eine Frau. Eine kleine Frau, die ihr privates
Leben revolutioniert hat, (...) dessen Kennzeichen die Nadel und
der Besen waren. Ich habe es umgewandelt in ein ... Leben als
Banditin. Partisanen! Ich bin nicht allein. Es gibt tausende und
Abertausende Frauen (...) mit meinem Glauben, meinem Enthusiasmus,
mit meinem Mut, mit meinem Hunger nach Taten. Auch wir organisieren
uns. Auch wir leben für euer Ideal."
Zweifel an dem Profit, den Frauen
aus dem gemeinsam mit Männern geführten Befreiungskampf
gegen Faschismus und deutsche Besatzung ziehen konnten, blieben
dennoch. Franca Pieroni Bortolotti äußerte in einem
Vortrag, den sie anlässlich des 30. Jahrestages der Repbulik
auf einem Kongress in Bologna über Frauen und Widerstand
in der Emilia Romagna im Mai 1977 hielt: "Eine Entrüstung
und ein Unwille sind in mir wohl an dem einen Winterabend im Dezember
1943 aufgekommen, als ich auf der Schreibmaschine "Was tun?"
von Lenin abtippten musste - ein damals sehr seltener Text - und
als ich ihn lesen wollte, habe ich mir selbst gesagt, dass dafür
keine Zeit war und dass ich diesen Text abtippen musste und zwar
nur deswegen, weil ihn die Partisanen in den Bergen zu ihrer Schulung
benötigten."
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Staffetten
Die Aufgaben, mit denen
man am häufigsten Frauen beauftragte, war der Dienst als
Staffette, das heißt als Überbringerin von Nachrichten,
von kriegsrelevanten und strategischen Informationen und von Waffen.
Diese Arbeiten konnten Männer nicht ausführen, weil
sie von den Deutschen gesucht
wurden: Entweder sie meldeten sich freiwillig als Soldaten für
die faschistischen Truppen der Repubblica Sociale di Saló
(RSI) oder sie wurden in Arbeitslager nach Deutschland deportiert.
Männer konnten sich ab dem wehrfähigen Alter kaum öffentlich
sehen lassen.
Zur Tarnung arbeiteten die Staffetten
meist weiter in ihrem bisherigen Beruf. Reginalda Santacroce war
Lehrerin in Forno/ Coazze, östlich von Turin, und seit Beginn
des Widerstands, also seit September 1943, als Staffette in den
Bergen des Piemont tätig, zusammen mit den Schwestern Assunta
und Marcella Versino. Bei den brutalen Durchkämmungsaktionen
der Deutschen im Spätfrühling 1944 in den Bergregionen
östlich Turins wird sie deswegen von den Nazis gefangengenommen
und schwer gefoltert.
Staffetten waren meist permanent
unterwegs, zu Fuß, per Fahrrad, per Bus oder im Zug. Ihre
Arbeit war extrem gefährlich, da sie in ständiger Gefahr
waren, bei ihrer Enttarnung sofort erschossen zu werden ohne Möglichkeiten
der Gegenwehr. Maria de Vitis, deren Mann Sergio als Kommandant
der Brigade "Sandro Magnone" im Turinesischen bei einer
militärischen Aktion ums Leben kam, berichtet über ihre
Arbeit als Staffetten: "Wir waren in die resistenza aus verschiedenen
Gründen eingetreten (...). Alle wurden wir (...) als Staffetten
mit einbezogen: Wir haben Nachrichten übermittelt, Geld,
Waffen, das was gebraucht wurde. Wir haben viel riskiert, weil
es die Sperrposten gab, aber dennoch war es für uns Frauen
leichter durchzukommen, als für die Jungs." Staffetten
in den Bergregionen hatten mit zusätzlichen alltäglichen
Schwierigkeiten zu rechnen: Wenn die Männer Faschisten gefangennahmen
oder töteten, zogen sie sie meist vollständig aus, dazu
gehörten auch die Schuhe. Den
Staffetten waren diese jedoch meist zu groß. So mussten
sie sich Zeitungspapier in das Schuhwerk stopfen und bekamen wunde
Füße.
Rossana Rossanda arbeitete seit
dem Winter `44 als Staffette im Mailänder Umland. Da 1942
die Stadt schwer zerbombt worden war, wurde auch sie als Ausgebombte
im Umland untergebracht, von wo aus sie als Studentin mit dem
Zug an die Universität von Mailand fuhr. Gerade dieses selbstverständliche
Kommen und Gehen in die Stadt vereinfachte den Kontakt mit den
Partisanentruppen im Umland. Auch der Transport von Dingen aller
Art in öffentlichen Zügen war in Kriegszeiten nichts
Ungewöhnliches. So gelang es ihr, den Partisanenformationen
Waffen, Medikamente, Verbandsmaterial und Flugschriften zu überbringen.
Die benötigten Dinge holte sie in ihr unbekannten Häusern
in Mailand ab. Fast jedes Mal wurde sie an eine andere Straßenecke
geschickt. Bei ihrer Ankunft in Como erwartete sie stets un bellissimo
ragazzo namens Pino Binda, "jetzt ein gut aussehender alter
Herr". Schwierigkeiten entstanden, wenn man einen Treffpunkt
nicht fand, eine Verabredung verpasste und man das, was man bei
sich trug, nicht los werden konnte. Als eines Tages der Zug, in
dem sie abermals einen Koffer mit Büchern transportierte,
darin das Material für die Partisanen versteckt, von Deutschen
und italienischen Faschisten angehalten wurde und alle mit Gepäck
aussteigen üssen, schob sie ihren Koffer soweit wie möglich
unter den Sitz. Weder wurde sie von den Mitfahrenden verraten,
noch entdeckten die Soldaten das Gepäckstück bei der
Durchsuchung des Zuges.
Es sind diese Schreckensmomente,
die wohl die Arbeit einer Staffette kennzeichneten. Laura, noch
ein Mädchen, hatte ein Maschinengewehr in ein Tuch eingewickelt
und transportierte es in der Straßenbahn. Sie entging einer
Durchsuchung, weil sie geistesgegenwärtig einen in der Bahn
anwesenden, ihr bekannten Faschisten als erste grüßte,
wodurch sie als unverdächtig eingestuft wurde. Zur Tarnung
den bisherigen Beruf weiter auszuüben, war nur so lange möglich,
wie man unentdeckt blieb. Laura
Polizzi musste ihre Heimatstadt Parma verlassen, weil sie
"verbrannt" war: Ein Arbeitskollege hatte sie für
5.000 Lire denunziert. Sie tauchte unter und schlief vorübergehend
bei Genossen, erhielt schließlich falsche Papiere und verließ
die Stadt. Zurückkomen durfte sie nur in Verkleidung: Sie
trug eine falsche Brille und färbte sich das Haar blond.
Isabella de Gennaro arbeitete
als Ärztin im Krankenhaus Molinette in Turin. Von dort leitete
sie als Staffette die Nachrichten des Cln der Region Turin weiter
und verarztete die Verwundeten der Partisanengruppen. Sie arbeitete
eng mit Ines Barone zusammen, Lehrerin in Giaveno, ebenfalls tätig
als Staffette. Einmal die Woche lief Barone von Giaveno aus in
ihren Geburtsort weit oben in den Bergen und überbrachte
dort einen Koffer voller Waffen. In ihrem Haus trafen sich die
Partisanengruppen zu Versammlungen. Sie selbst nahm daran allerdings
nicht teil, sondern kochte stattdessen für die Jungs. Nicht
immer schafften es die Frauen, bei Dunkelheit wieder zuhause zu
sein. Sie mussten sich dann einen Schlafplatz unterwegs suchen.
Ines Barone berichtete: "Die Deutschen setzten auch
Hunde ein. Nachdem ich mit der Ärztin De Gennaro beim Kommandant
der Campana (einer Partisanenformation) gewesen bin, übernachteten
wir in einem Stall, als eine deutsche Patrouille kam. Wir hatten
enormes Glück, dass sie jede Tür aufmachten, nur nicht
die, hinter der wir uns versteckt hielten." Die Wichtigkeit
der Arbeit von Staffetten wird heute zwar nicht in Frage gestellt,
aber dennoch sehr marginal behandelt. Allein wenn es ohne Namensnennung
heißt, eine "Staffette" habe dieses oder jenes
überbracht, trägt dies zu einer Unsichtbarmachung bei.
Erst wenn ein Staffettendienst versagte, weil beispielsweise eine
strategisch wichtige Nachricht zu spät kam und ein Angriff
aus diesem Grund misslang, wird die Bedeutung dieses Nachrichtendienstes
erkannt - aber eben nur in negativer Hinsicht. Selten lebten die
Frauen somit mit in den Partisanengruppen. Ausnahmen davon gab
es jedoch immer. Nina Tallarico, aus Kalabrien, lebte mit ihren
beiden Brüdern in den Bergen bei den Partisanen. Sie war
Studentin der Medizin und übte bei den Partisanen die Krankenpflege
aus.
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Wie ging
es weiter?
Es gab viele weitere Widerstandsform
von Frauen. Als eine davon könnte noch diejenige besonders
von Frauen der Unterschicht, von Arbeiterinnen erwähnt werden,
die versuchten, keine Kinder zu bekommen oder die in einer Notlage
einen illegalen Abbruch riskierten. Dem faschistischen Staat wollten
sie keine Kinder gebären. Dieser Gebärstreik und diese
Form der Geburtenkontrolle darf bei der von Mussolini massiv propagierten
Geburtenförderung tatsächlich als eine Form des Widerstands
angesehen werden.
Das Thema Abtreibung war (nicht
nur) für die Italienerinnen auch nach dem Krieg noch lange
nicht erledigt, denn eine solche musste nach wie vor illegal und
unter größten gesundheitlichen Schäden durchgeführt
werden. Als ein ehemaliger Partisan seiner Frau, ebenfalls Partisanin,
zu verstehen gab "Jetzt denk doch aber mal an die Kriegszeiten,
wieviel du da hast ertragen müssen.", entrüstete
sie sich empört: "Du und dein bißchen Krieg...
es ist nicht der Krieg, klar war er schrecklich und ich habe viel
durchgemacht, aber glaubst du nicht, dass ich mit den Abtreibungen
auch viel durchmachen musste?"
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Wir danken folgenden Einrichtungen
und Einzelpersonen für die Unterstützung bei den
Recherchen über Frauen im italienischen Widerstand:
Liana
Novelli Glaab
Beate
Bennewitz-Carpino
Istituto
Regionale Ferruccio Parri, Bologna
Institut für Widerstand und
Zeitgeschichte, Parma
Institut für Widerstand und
Zeitgeschichte, Turin
Frauenbuchladen/ Libreria delle
donne, Mailand
Quellen und Literatur:
Bravo,
Anna/ Bruzzone, Anna Maria: In guerra senza armi. Storie di donne.
1940-1945, Editori Laterza, Roma-Bari 1995
Bravo,
Anna: La resistenza civile fra storia e memoria, in: Italia 1939-1945.
Storia e Memoria, a cura di Carlotti, Anna Lisa, Milano 1996,
S. 283-301
Bravo,
Anna: Riflessioni sull`esperienza femminile nella resistenza,
in: Donne a Roma 1943-1944. Memorie di una indomabile cura per
la vita, a cura die Lunadei, Somina, Roma 1995, S. 7-17
Bronnen,
Barbara (Hg.): Frauen in Italien, München 1990 Carlotti,
Anna Lisa: La memoralistica della RSI: Il caso delle ausiliarie,
in: Italia 1939-1945. Storia e Memoria, a cura di Carlotti, Anna
Lisa, Milano 1996
De Grazia Vicoria:
Die italienischen Frauen unter Mussolini, in: Geschichte der Frauen,
Bd. 5, hrsg. v. Françoise Thèbaud, Frankfurt a.M. 1995,
S. 141-172
Gagliani,
Daniella: La Resistenza fu anche una „guerra femminista“? Alcuni
spunti e riflessioni, in: „Padania“ (keine genaueren Angaben)
Gagliani,
Dianella: Donne e Armi. Il caso della Repubblica Sociale Italiana,
in: Donne e Spazio nel Processo di Modernizzazione, a cura di
Gagliani, Daniella/ Salvati, Mariuccia, Bologna 1995, S. 129-168
Hunke,
Regina: La donna nuova? Studien über Frauen im faschistischen
Italien, in: Fieseler, Beate/ Schulze, Birgit (Hg.): Frauengeschichte
gesucht - gefunden? Auskünfte zum Stand der Historischen
Frauenforschung, Köln u.a. 1991, S. 181-197
Koppel, Esther:
„Ich tat, was mein Gewissen mir auftrug“. Frauen im italienischen
Widerstand, in: DIE ZEIT, 4. Jan.
1997, Nr.3
Minardi,
Marco: Ragazze dei Borghi in Tempo di Guerra. Storie di operaie
e di antifasciste dei quartieri popolari di Parma, Parma 1991
Pavone,
Cesare: Una guerra civile: saggio storico sulla moralitá
nella Resistenza, Bollati Boringhieri, Torino 1991
Oliva,
Gianni: La resistenza alle porte di Torino, Milano 1989 Pieroni
Bortolotti, Franca: Le donne della Resistenza antifascista e la
questione femminile in Emilia Romagna: 1943-1945, Milano 1978
Stübler, Dietmar:
Italien. 1789 bis zur Gegenwart, Berlin 1987

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